Link verschicken   Drucken
 

Die Geschichte von Perivoli

Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts haben griechische MigrantInnen der ersten  „Gastarbeitergenerationin Berlin den Wunsch geäußert, einen Garten, ein Stück Land anzubauen und zu pflegen. Sie trafen sich im TO SPITI, dem ersten interkulturellen Frauen- und Familienzentrum in Neukölln, und bildeten die erste Seniorengruppe. Dieses Zentrum – eine Einrichtung der Diakonie Neukölln – bot ihnen die Möglichkeit, sich dort zu treffen, auszutauschen, sich beraten zu lassen und an diversen VHS – Kursen teilzunehmen wie z.B. Stadterkundungskurse, Deutschkurse, Tanz und Gymnastik, Gesundheitskurse, Koch- und Nähkurse, u.a. Darüber hinaus nahmen sie bei interkulturellen Veranstaltungen aktiv teil wie beim jährlichen Kiez International mit eigenem Stand im Rahmen des Kulturfestivals 48Stunden Neukölln. TO SPITI war für sie im Laufe der Jahre wie ein zweites Zuhause geworden.

Diese SeniorInnen hatten hier lange gearbeitet und waren nach der Rente nicht zurückgekehrt sondern sind in der Stadt geblieben . Die meisten kamen aus dörflichen Regionen Nordgriechenlands, hatten dort ihren Gemüse- und Obstgarten und kannten sich mit dem Anbau und der Pflege der Erde gut aus. Nunmehr im Alter wurden Wünsche nach solchen Aktivitäten wieder artikuliert und nach den Realisierungschancen gefragt.

Die damaligen Mitarbeiterinnen von TO SPITI, Niki Reister und Pigi Mourmouri, nahmen diesen Wunsch auf und suchten jahrelang nach Möglichkeiten, ein Stück Land zu finden.

Im Rahmen dessen wurde 2002 auch der Neuköllner Bürgermeister – Heinz Buschkowsky angesprochen – mit Erfolg!

Nach kurzer Zeit war es möglich, ein Bezirkseigenes Grundstück am Stadtrand in Neukölln – Britz in Augenschein zu nehmen und noch im selben Jahr wurde die Vereinbarung zwischen dem Bezirksamt und dem Förderverein TO SPITI e.V. als rechtlicher Träger des Gartens unterschrieben.

Der Förderverein TO SPITI e.V. wurde 1995 von griechischen und deutschen Freunden des Zentrums TO SPITI gegründet, um das von der Schließung bedrohte Zentrum zu retten. Seine Trägerschaft bedeutete u.a., dass die deutsch/griechische Gemeinschaft über Mitgliedsbeiträge, Spenden und ehrenamtliches Engagement das Gartenprojekt zum Gelingen führen will.

So begannen die Griechen mit ihren deutschen Freunden im Herbst 2002 das brach liegende Grundstück zu säubern, die zwei Lauben und die Werkstatträume zu renovieren, das Gartengelände zu pflegen sowie die Beete anzulegen und anzubauen.

All diese Arbeiten erfolgten gemeinschaftlich und ehrenamtlich.

Der Garten bekam von den InitiatorInnen den Namen PERIVOLI, das griechische Wort für Nutzgarten. In den ersten zwei Jahren wurde der Garten hauptsächlich von der griechischen Seniorengruppe von TO SPITI mit Unterstützung der deutschen Freunden und aktiven Mitglieder des gemeinnützigen Förderverein TO SPITI e.V. gepflegt. Die damalige Stiftung Interkultur (jetzt Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis) aus München unterstützte den neu gegründeten „Integrationsgarten„ - wie sie ihn nannten – durch eine finanzielle Starthilfe und hin und wieder für bestimmte Projekte im Garten (z.B. Bienenhaltung, Siebdruckworkshop, Gartengeräte, Reparatur- und Baumaterialien). Wichtigster Förderer war und ist das Bezirksamt Neukölln durch die Förderung aus Ehrenamtsmitteln des Senats. Ein anderer wichtiger Unterstützer war und ist die Bürgerstiftung Neukölln wie auch die Evangelische Kirche Berlin Brandenburg schlesische Oberlausitz durch den Kirchenleitungsausschuss zur Förderung von sozialen und Migrantenprojekten (Unterstützung beim Bau des Lehmbackofens).

Im Jahr 2004 öffnete das Gartenprojekt seine Tore für Menschen aus anderen Nationalitäten und Kulturen. Es entstand bald eine multikulturelle Gartengemeinschaft. Beim Anbauen und Pflegen des Gartens wurde das Miteinander praktiziert und die Annäherung der Gartenmitglieder, die das Miteinander sowie die andere, fremde Kultur erlebte.

Das Zusammenkommen so vieler unterschiedlicher Menschen war anfangs für alle nicht nur eine Bereicherung. Konflikte waren oft unvermeidbar; das Kennenlernen forderte Zeit und Geduld und die Bereitschaft den anderen so anzunehmen, wie er ist, ihn zu schätzen und zu akzeptieren. Es war ein andauernder Prozess des Miteinanders, der für die Gartenmitglieder nicht so leicht war. Allmählich entstand in diesem Mikrokosmos eine wachsende Anerkennung und Wertschätzung des Andersdenkenden, der gleiche Ziele verfolgte, nämlich mit dem Anbauen und Pflegen der Erde ein Stück Heimat zu erleben, in der Gemeinschaft von einander zu lernen und auf einer einfachen, unkomplizierten und doch sehr wirksamen Art und Weise sich hier zu integrieren und Wurzeln zu schlagen.

Im Laufe der Jahre wirkten im Garten Menschen aus über 10 Nationalitäten.

Im März 2014 gründete die Gartengemeinschaft einen eigenen Verein mit dem Namen „Interkultureller Garten Perivoli e.V.“  Der Verein übernahm die Trägerschaft des Gartens nach der Auflösung des bisherigen Trägervereins „Förderverein To Spiti e.V.“ ab Januar 2015 in Nachfolge.

Zur Zeit wirken im PERIVOLI Menschen aus 7 Nationalitäten und genießen die wunderbare Natur mitten in Berlin.